Notgroschen: Wie hoch muss dein Puffer wirklich sein?

Als ich mit 17 Jahren meine Ausbildung startete, verdiente ich knapp 380 Euro netto im Monat. Da ich noch bei meinen Eltern wohnte und keine Miete zahlen musste, hatte ich mein gesamtes Gehalt zur freien Verfügung.

Nach zwei Monaten hatte ich rund 700 Euro gespart und kaufte mir mein erstes eigenes iPhone. Rückblickend war der Kauf des iPhones zwar reiner Konsum, aber er hat mir eine wichtige Lektion beigebracht: Sparen tut nicht weh, sondern bringt Freiheit.

Ich wollte dieses Prinzip von der reinen Wunscherfüllung auf meine persönliche Sicherheit übertragen. Statt für den nächsten Konsum zu sparen, schaffte ich als Nächstes ein finanzielles Fundament, das mich ruhig schlafen lässt: meinen Notgroschen.

Obwohl später Ausgaben für Feiern, Videospiele und Essen hinzukamen, behielt ich eine Grundregel bei: Ich gab immer weniger aus, als ich verdiente. Aus diesem Verhalten entstand mit der Zeit mein erster finanzieller Puffer.

Was ist ein Notgroschen und wozu braucht man ihn?

Der Notgroschen ist das Fundament deiner Finanzen. Er funktioniert wie ein persönlicher Airbag: Er schützt dich vor Schulden, wenn unvorhergesehene Kosten auf dich zukommen (z. B. Autoreparatur, kaputte Waschmaschine oder Jobverlust).

Vor allem schützt er deine langfristigen Investitionen. Wer keinen Notgroschen hat, muss im Notfall womöglich Aktien oder ETFs im ungünstigsten Moment verkaufen.

Wie wichtig das ist, habe ich selbst erlebt: Als ich später bereits an der Börse investierte, hatte ich einen Auffahrunfall mit meinem Auto. Die Werkstattrechnung lag bei knapp 2.500 Euro. Dank meines Notgroschens konnte ich den Schaden sofort bezahlen, ohne mein Aktiendepot anrühren zu müssen oder Schulden aufzunehmen. In den folgenden Monaten habe ich meine monatlichen Sparraten an der Börse pausiert, bis der Notgroschen wieder vollständig aufgefüllt war.

Notgroschen: Wie hoch sollte dein Puffer sein?

Als Richtwert gelten 3 bis 6 Nettomonatsgehälter oder 3 bis 6 Monatsausgaben. Die Berechnung nach den tatsächlichen Ausgaben ist oft realistischer:

  • Wer 1.500 Euro im Monat zum Leben braucht, sollte zwischen 4.500 Euro und 9.000 Euro auf der Seite haben.
  • 3 Monatsausgaben (Minimum): Reicht meist aus, wenn du im Angestelltenverhältnis bist, zur Miete wohnst und kaum finanzielle Verpflichtungen (kein Auto, keine Kinder) hast.
  • 4 bis 6 Monatsausgaben: Empfiehlt sich für Angestellte mit Auto, Familie oder in weniger sicheren Arbeitsverhältnissen, zum Beispiel mit befristetem Vertrag.
  • 7 bis 12 Monatsausgaben (oder mehr): Ist für Selbstständige ratsam, um Einnahmeausfälle und Steuernachzahlungen abzufedern.
  • Sonderfall Immobilieneigentümer: Hier reicht ein normaler Notgroschen meist nicht aus. Zusätzlich sollte eine eigene Instandhaltungsrücklage für Reparaturen am Haus oder der Wohnung gebildet werden.

Die genannten Zahlen sind nur grobe Einordnungen, jeder Mensch hat ein unterschiedliches Sicherheitsbedürfnis. Je nachdem kann es für den ein oder anderen Sinn machen den Puffer höher zu wählen. Die genaue höhe ist individuell.

Ich habe für mich persönlich 4 Monatsausgaben als Ziel erstmal definiert, da ich ein Auto habe aber einen sicheren Job und keine Kinder. Bei festen Ausgaben von 1.300 Euro plus 200 Euro Alltags-Puffer komme ich auf 1.500 Euro pro Monat. Mein Notgroschen liegt somit bei 6.000 Euro. Erst als diese Summe erreicht war, habe ich mit dem Investieren begonnen.

Um deinen eigenen Zielbetrag zu berechnen, musst du zuerst deine Fixkosten kennen. Wie du deine Monatsausgaben berechnest und dein Einkommen richtig budgetierst, zeige ich dir in diesem Beitrag.

Wo sollte man den Notgroschen anlegen?

Der Notgroschen gehört nicht auf das Girokonto, da es verleitet, das Geld schnell für Konsum auszugeben.

Die beste Wahl ist ein Tagesgeldkonto:

  1. Tägliche Verfügbarkeit: Du kommst im Notfall innerhalb von 1 bis 2 Werktagen an das Geld.
  2. Keine Kursschwankungen: Im Gegensatz zu Aktien schwankt der Wert nicht.
  3. Zinsen: Sie federn einen Teil der Inflation ab.

Ein Notgroschen ist keine Rendite-Anlage, sondern eine Absicherung. Dass die Zinsen auf dem Tagesgeldkonto die Inflation nicht ganz ausgleichen, ist der Preis für die absolute Sicherheit.

Fazit

Der Notgroschen bringt eine unbezahlbare Ruhe in den Alltag. Er verhindert finanzielle Engpässe und bildet das Fundament für jeden weiteren Vermögensaufbau.

Ich merke selbst, dass ich viel ruhiger schlafe und mir finanziell weniger Sorgen mache, seitdem ich meinen Wunschbetrag erreicht habe.

Wie sieht es bei dir aus? Wie hoch ist dein Notgroschen ? oder gab es ein Moment an den du ihn gebraucht hättest ? Schreib es mir gerne in die Kommentare!

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